19.06.2020

Editorial

Liebe KNX-Community,

die vergangenen Monate und Wochen haben unser aller Leben komplett umgekrempelt. Durch das Corona-Virus mussten wir umdenken und haben vielerorts festgestellt, wie wichtig sowohl privat wie beruflich eine gute Vernetzung sowie eine gute und stabile Aufstellung von Hardware und Internet sind.  Viele haben die Zeit des Lockdowns aber auch genutzt, um sich mehr mit Ihren persönlichen vier Wänden zu beschäftigen und haben in Technik und Maßnahmen investiert, die ihr Zuhause komfortabler oder auch smarter machen, die Sicherheit erhöhen oder nachhaltig die Energieeffizienz steigern. Zweifellos haben so auch zahlreiche „smarte“ Geräte aus dem Internet of Things und der Consumer Electronic Einzug in die Haushalte gehalten. Ob und wie sich diese in eine KNX-Installation integrieren lassen, ist zentrales Thema des vorliegenden Newsletters. Außerdem geben wir Tipps zu aktuellen Förderprogrammen und stellen Ihnen die neuesten Produktentwicklungen aus der KNX-Welt vor.

Wir wünschen Ihnen spannende Lektüre – bleiben Sie gesund!

Herzlichst,

Ihr Hajo Deul

 

 

Nicht ohne Alexa und Co. – oder geht es auch offline? Wie IoT-Produkte neue Chancen für KNX eröffnen

Alexa, Sonos, Philips Hue, sogenannte Wearables und andere intelligente Geräte und Gadgets halten zunehmend Einzug in deutsche Haushalte. Sie sind einfach in Betrieb zu nehmen und zu bedienen, sie bringen Komfort oder machen einfach Spaß. Viele Endkund*innen, die Produkte aus der

Consumer Electronic kaufen oder bereits besitzen, wollen diese dann auch in ihr (zukünftiges) Smart Home integrieren. Der Erfolg von KNX wird in Zukunft immer mehr auch davon abhängen, inwieweit Konsument*innen davon überzeugt werden können, dass KNX ein offenes System ist und solche Geräte und Gadgets leicht zu integrieren sind. Damit werden sich in Zukunft auch die Aufgaben der KNX-Systemintegratoren verändern: Die Einbindung der verschiedensten smarten Geräte aus der Unterhaltungselektronik entwickelt sich immer mehr zum lohnenden Geschäftsfeld.
Die Herausforderung dabei ist die Kundenaufklärung. Wer Erfolg haben will, der muss privaten Bauherren oder Modernisieren zeigen, dass Alexa und Co. problemlos zu integrieren sind und dass sie darüber hinaus mit einer maßgeschneiderten KNX-Smart-Home-Installation Komfort und Sicherheit gewinnen sowie von mehr Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden profitieren können. Zum anderen muss deutlich werden, dass KNX nicht teurer ist als zum Beispiel die proprietären Lösungen vieler Hersteller und dabei einen sehr viel größeren Funktionsumfang bietet. Für ein erfolgreiches Kundengespräch ist vor allem der Bezug zur Praxis wichtig. Systemintegratoren sollten nicht nur in System-Funktionen und Funktionspaketen denken, sondern ihrer Kundschaft die vielfältigen Möglichkeiten des Systems mithilfe leicht verständlicher und anschaulicher „use cases“ erläutern. Die wenigsten Bauherren wollen Details zur technischen Installation erfahren. Beim Verkaufs- und Beratungsgespräch müssen der konkrete Nutzen und die zahlreichen Vorteile eines KNX-Smart-Homes klar im Vordergrund stehen. Dazu gehört auch, die Kompatibilität mit Produkten aus der Unterhaltungselektronik hervorzuheben.


Mehrwert durch KNX IoT


KNX bietet mit KNX IoT eine maßgeschneiderte Lösung, um Anwendungen aus dem Internet der Dinge mit möglichst geringem Aufwand in KNX-Installationen und -Projekte zu integrieren. Entwickelt haben KNX IoT führende KNX-Hersteller und Normungsgremien, zum Beispiel Fairhair Alliance und Thread Group. Mit KNX IoT können Installateure und Systemintegratoren auch nicht direkt kompatible smarte Geräte aus der Unterhaltungselektronik in ein KNX-Smart-Home einbinden und so Kund*innen davon überzeugen, dass KNX ein offenes und damit zukunftsfähiges System ist.


Dabei können sie sichergehen, dass die Gewährleistung der von ihnen konzipierten KNX-Installation nicht durch diese Nutzung von Dingen aus dem Internet oder der Consumer Electronic gefährdet wird. Standardisierte KNX IoT Webservices dienen als sichere Weichen für die Interoperabilität der verschiedenen Systeme.


Die Welt des IoT fordert Daten in einem allgemein verständlichen maschinenlesbaren Format. Dies wird bei KNX IoT über eine standardisierte Schnittstelle ermöglicht, die für alle KNX Hersteller gilt: die „RESTful Web Services“ API (REST = Representational State Transfer, API = Application Pogramming Interface). Mit ihr lässt sich in standardisierter Semantik sowie über Topologie und implementierte Funktionalität auf Daten des KNX-Softwaretools ETS zugreifen. Installateure und Systemintegratoren können so Daten gezielt für Dritte bereitstellen. Diese Konstellation bietet Sicherheit für die KNX-Installation: KNX bleibt eine in sich interoperable Welt, kann aber mit anderen Welten interagieren.
Die neue ETS6 Professional, die ab Oktober 2020 zur Verfügung steht, wird die Informationen zur Vermittlung an die neuen KNX-IoT-Schnittstellen über eine Exportdatei bereitstellen.

Interview mit Marco Koyne, Systemintegrator, Koyne-System-Elektronik, Berlin

KNX steuert auch Saugroboter

KNX und Consumer Electronic: Wie gut passt das Ihrer praktischen Erfahrung nach zusammen?

Das passt hervorragend! Das Gute an KNX ist ja, dass die Vernetzung verschiedenster Komponenten herstellerunabhängig funktioniert. Naturgemäß kommt diese Kombination eher im privaten Hausbau vor – und hier kann ich Kundinnen und Kunden oft Vernetzungen vorschlagen, an die sie von

sich aus noch gar nicht gedacht haben. Beispiel Saugroboter: Den kann ich, wenn gewünscht, mit dem Bewegungsmelder vernetzen. Denkbar ist dann, dass der Roboter anfängt zu saugen, wenn er vom Bewegungsmelder sinngemäß das Signal bekommt: „Jetzt ist seit zehn Minuten niemand mehr im Haus, leg los!“

Welche Produkte aus der Unterhaltungselektronik sind es denn, die Ihre Kundschaft in ihr Smart Home eingebunden haben möchten?

Das sind vor allem Fernseher, die Apple-TV-Box, Musikanlagen, Bluetoothgeräte und auch Beamer.

Wie gehen Sie generell vor, um potenzielle Kunden von KNX zu überzeugen?

Ich frage vor allem ab, wie sie sich ihr Smart Home vorstellen, welche Funktionen sie sich wünschen. Geht es darum, Energie zu sparen? Wollen sie vorrangig Spielereien? Sind sie technikaffin oder eher nicht? Ich lasse die Kunden erzählen und mache dann zunehmend konkretere Vorschläge. Consumer Electronic spielt da oft eine Rolle, Sprachsteuerung zum Beispiel ist ein großes Thema, wobei ich da gern zu einer Offline-Variante rate. KNX ist das erste System, welches mit dem Produkt Aragon und der Sprachsteuerung „Snips“  ein solches Offline-Sprachsteuerungssystem auf dem Smart-Home-Markt anbietet. Es wird direkt auf dem Gerät ausgeführt und schützt somit die Privatsphäre.
Ganz wichtig ist es, Kunden und Kundinnen den Mehrfachnutzen einer Vernetzung deutlich zu machen. Was für Möglichkeiten stecken in den intelligenten Produkten? Siehe das Beispiel mit dem Saugroboter.

Vielen Smart-Home-Besitzern und solchen, die es werden wollen, ist nicht klar, wie einfach die Kombination von KNX und Produkten aus der Consumer Electronic ist. Wie kann man das ändern?

Wir müssen diese Tatsache noch mehr publik machen. Auf der einen Seite gilt es, Handwerker dafür zu sensibilisieren, was mit KNX alles möglich ist. Bei vielen herrscht noch die Meinung aus den 1990er Jahren vor, dass das System teuer und kompliziert sei – das trifft heutzutage so nicht mehr zu, da es mittlerweile weltweit rund 500 Hersteller dafür gibt. Innerhalb von KNX Deutschland gibt es eine Arbeitsgruppe aus Systemintegratoren und Vertretern aus der Industrie, die sich genau das zum Ziel gesetzt hat und zum Beispiel auf Messen und Branchenveranstaltungen Aufklärungsarbeit leistet. Zum anderen wünsche ich mir mehr klassische Werbung, die den Endkunden direkt anspricht, und mehr Menschen erreicht.

Smart-Home-Förderung vom Staat

 

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Modernisierungsmaßnahmen rund um die intelligente Vernetzung von Wohnraum. Die Bank vergibt sowohl zinsgünstige Kredite als auch Investitionszuschüsse – beides attraktive Anreize für Bauherren, in Smart-Home-Systeme zu investieren.


Für KNX-Lösungen ist das Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“ das richtige – es gilt für alle Maßnahmen, die Barrieren abbauen, vor Einbruch schützen und das selbstbestimmte Leben im Alter mit Assistenzsystemen erleichtern. Ob automatisierte Rollladen- oder Jalousiesteuerung, Notrufsysteme, Türkommunikation oder intelligente Technik, die Anwesenheit simuliert, wenn niemand zu Hause ist: Vorausgesetzt, die Um- und Einbauten werden von einem Fachhandwerker vorgenommen, sind all diese Einzelmaßnahmen förderfähig. Auch, wer barrierearm sanierten Wohnraum als Ersterwerber kauft, kann die KfW-Förderung nutzen. Kredit oder Zuschuss werden übrigens unabhängig vom Alter gewährt, auch junge Menschen oder Familien können die Förderung beantragen.

Detaillierte Informationen zu geförderten Maßnahmen und zur Antragstellung:

https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/Förderprodukte/Förderprodukte-für-Bestandsimmobilien.html

Praxisbeispiele

Für alle, die sich ein Bild von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von KNX machen möchten, gibt es unter folgendem Link jede Menge Inspiration von privaten und gewerblichen Bauherren aus der ganzen Welt.

https://www.knx.org/


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